#EducateYourself – Drei Bücher, drei Stimmen und ein Thema

(c) Juliane Dietrich

Ich habe es mir beim Lesen immer recht einfach gemacht. Hin und wieder ein Sachbuch zu einem Thema, das mich gerade interessierte. Die überwiegende Mehrheit bildeten Bücher, die mich unterhalten sollten. Im Zuge der erneut in den Fokus geratenen Black Lives Matter Bewegung – sie verschwindet schließlich nie, sondern verschwindet nur aus den Nachrichten – habe auch ich mich aus meiner literarischen Komfortzone bewegt.

Drei Bücher sind es geworden, die ich in diesem Beitrag kurz und knackig vorstellen möchte.

OREO (Fran Ross) Rezensionsexemplar

Auf OREO muss man sich einlassen. Sowohl sprachlich als auch gestalterisch ist es eine Herausforderung, die erst gegen Ende der Geschichte eine versteckte Genialität zu Tage bringt. Oreo ist die Protagonistin dieses Romans und vergleicht sich mit dem bekannten Keks. Sie hat eine schwarze Mutter und einen weißen jüdischen Vater, was schon in der älteren Generation für den ein oder anderen Unmut sorgte.

Der Roman ist durchzogen von Oreos selbstbewusstem Mundwerk, ihrer Intelligenz und jeder Menge jüdischer Begriffe. (Keine Sorge, dafür gibt es einen Disclaimer am Ende, wo jeder Begriff noch einmal erklärt wurde.) Für mich stellten die jüdische Sprache glücklicherweise kein Problem dar, da ich einige im Hebräisch Unterricht und andere in Kursen der Sprachgeschichte lernte.

OREO entführt mich in einer Parallelgesellschaft. Als weiße Person, die überwiegend unter Weißen aufgewachsen ist, kannte ich die ein oder andere Situation nicht und hatte mich damit nie auseinandergesetzt.

Aber genau aus diesem Grund griff ich endlich zu dem Buch von Reni Eddo-Lodge.

Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche (Reni Eddo-Lodge)

Vor 1-2 Jahren war dieses Buch aus meiner Buchblogger-Bubble nicht wegzudenken. Ich sträubte mich dagegen, denn erstens las es gefühlt jeder und zweitens war an der ein oder anderen Stelle die Kritik zu groß.

Reni Eddo-Lodge beschreibt in anschaulichen Kapiteln das Leben Schwarzer in Großbritannien und die damit verbundene Unterdrückung und den (strukturellen) Rassismus ihnen gegenüber durch Weiße. Dieses Buch beschreibt die unbequeme Wahrheit, wenn man weiß-sozialisiert aufgewachsen und erzogen wurde. Obwohl mir in den letzten Jahren White Privilege bewusst wurde, war mir nie bewusst, wie schlimm es wirklich ist. Dazu gehört auch, dass sich Weiße ständig in die Opferrolle bringen oder den Schwarzen die Schuld an deren Armut etc. geben.

Übersetzungskritik kann ich „nur“ bei den Namen verschiedener Organisationen und Institutionen anmerken. Reni Eddo-Lodge nennt im Kapitel zur Geschichte Großbritanniens Organisationen und Institutionen, die stets mit ihrem englischen Namen genannt werden und eine deutsche Übersetzung erhielten, die nicht immer ganz geglückt sind. Bei der Übersetzung von Namen ist es immer schwer, den richtigen Ton zu treffen, weswegen ich irgendwann begann, über die deutsche Übersetzung hinwegzulesen.

Mich störte eher der Fokus auf Großbritannien, was totaler Quatsch ist, da Reni Eddo-Lodge Britin ist und dieses Buch in erster Linie für den britischen Markt schrieb. Letztlich lässt sich jedoch alles, was sie schreibt, auch auf Deutschland übertragen; die nicht beachtete Geschichte der Schwarzen, Rassismus, struktureller Rassismus, etc. Kann man genauso auch in Deutschland beobachten.

Ohrfeige (Abbas Khider)

Eine ganz andere Richtung schlägt Ohrfeige ein. In diesem Roman geht es nicht um Schwarze, sondern um die Probleme, mit denen Flüchtlinge konfrontiert werden. Geflohen aus einem Land, das ihre Heimat war und das sie aus den unterschiedlichsten Gründen verließen und Frieden und Schutz in Deutschland suchten. Karims Ziel war jedoch Frankreich, bis sein Schlepper ihn in Deutschland vom LKW schickt und sein Schicksal nun in den Händen der deutschen Bürokratie liegt.

Dieses Buch öffnet vor allem dann Augen, wenn man immer nur den negativen Nachrichten glauben schenkt, dass Flüchtlinge kriminell seien, kein Deutsch lernen wollen oder den ganzen Tag faul in Einkaufszentren rumhängen. Beim Wunsch die Sprache zu lernen, werden ihnen Steine in den Weg gelegt, die man nicht glauben kann und Einkaufszentren… sie sind ein bisschen Normalität und bieten einen Ausgleich zur Enge in den Unterkünften. In Einkaufszentren werden Menschen beobachtet, die neue Kultur beobachtet und es ist eine Möglichkeit sich an das Leben in der Heimat zu erinnern.

***

Auf meinem SuB befinden sich aktuell noch weitere Bücher von OwnVoice Autor*innen, die ich jedoch bewusst nach und nach lesen werde. Ich möchte nicht jetzt alles lesen, wo das Thema in aller Munde ist und es danach wieder vergessen. Ich möchte stattdessen Themen wie Rassismus, Sexismus und weitere damit verbundene Themen immer wieder Raum geben.

Eure Jule

Ein Gedanke zu “#EducateYourself – Drei Bücher, drei Stimmen und ein Thema

  1. Pingback: Bloggestöber | #31 – Tipps für einen schönen Sommer – read eat live

Hinweis: Mit dem Abschicken des Kommentars akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung zur Datenspeicherung. Weitere Erläuterungen können Sie unter dem Punkt "Datenschutzerklärung" in der oberen Menüleiste nachlesen.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.